IHK-Jahresbericht 2016: "Vom Flüchtling zum Kollegen"

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar präsentiert unter dem Motto „Vom Flüchtling zum Kollegen“ ihren Jahresbericht 2016. Darin werden neun erfolgreiche Beispiele für die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt vorgestellt. „Viele Unternehmen, auch in der Rhein-Neckar-Region, stehen aktuell vor der Herausforderung, Flüchtlinge in ihrem Betrieb zu integrieren“, erklärt IHK-Präsidentin Irmgard Abt. „Bevor eine Ausbildung begonnen oder ein richtiger Arbeitsvertrag geschlossen werden kann, müssen etwa Details zum Aufenthaltsstatus der jungen Männer und Frauen geklärt werden – oder schlichtweg die Frage, ob deren Deutschkenntnisse für die vielfältigen Aufgabenstellen vor Ort in den Firmen ausreichend sind,“ so Abt weiter.
Die IHK Rhein-Neckar unterstützt mit zwei Bildungsberatern insbesondere mittelständische Unternehmen in solchen Situationen. „Sie geben vorab Hilfestellungen für Firmen, die sich engagieren wollen, und vermitteln jungen Flüchtlinge zunächst in eine Einstiegsqualifizierung oder, wenn die Voraussetzungen stimmen, bereits in eine Ausbildung“, erklärt die IHK-Präsidentin weiter. Zum Ausbildungsbeginn Herbst 2016 wurden im IHK-Bezirk Rhein-Neckar 35 junge Geflüchtete in Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungen vermittelt. Für das kommende Ausbildungsjahr mit Start im September geht die IHK davon aus, dass sich diese Zahl erhöhen wird. „Es gibt in der Region viele Geflüchtete, die sich aktuell in berufsvorbereitenden Schulen und Integrationskursen für ihren Einstieg in das Berufsleben qualifizieren“, so Abt. Positiv ist hier aus Sicht der IHK vor allem zu bewerten, dass diese Bewerber zunehmend bessere Sprachkenntnisse haben – branchenunabhängig ein Muss für Ausbildungsbetriebe.
IHK-Präsidentin Abt würdigte bei der Vorstellung des Jahresberichts insbesondere die vielen Betriebe, ohne deren Engagement die Integration von Flüchtlingen nicht möglich wäre. "Unternehmerinnen und Unternehmer – und nicht zu vergessen: die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – helfen den jungen Geflüchteten dabei, sich eine Berufsperspektive aufzubauen und damit langfristig in Deutschland anzukommen. Sie alle stehen für den weltoffenen Charakter der Rhein-Neckar-Region“, betont Abt.
Dieses Engagement ist auch gefragt bei zahlreichen anderen Aktivitäten. Ob in der Aus- und Weiterbildung als Prüferinnen und Prüfer, in vielen Ausschüssen und Arbeitskreisen oder in anderen Gremien: Im vergangenen Jahr haben sich rund 3.300 Personen mit der IHK Rhein-Neckar ehrenamtlich für die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region und damit auch für die Gesellschaft engagiert. Dies entspricht umgerechnet einem Wertschöpfungsbeitrag von 6,7 Millionen Euro; 2015 lag er noch bei 6,5 Millionen Euro.
Sehr hoch ist auch die Zahl der IHK-Kundenkontakte. Diese lag 2016 bei 1,27 Millionen. Allein 600.000 Besucher zählte die Homepage. 270.000 Kundenkontakte fanden persönlich statt, beispielsweise bei Veranstaltungen (40.000). So kamen unter anderem zum ersten Mega-Azubi-Speed-Dating der IHK rund 400 Bewerberinnen und Bewerber ins „Haus der Wirtschaft“ nach Mannheim. Ausgebaut hat die IHK ihre Aktivitäten zur Fachkräftesicherung ebenso im Neckar-Odenwald-Kreis. Hier finden seit Mai 2016 regelmäßig beispielsweise Berufseignungstests, Bewerbungsunterlagenchecks sowie Gespräche zur passgenauen Vermittlung von Jugendlichen statt. Zusätzlich zur Unterstützung ihrer Mitgliedsunternehmen bei der Suche nach geeigneten Nachwuchskräften zählt unter anderem die Interessen-vertretung zu den wichtigsten Aufgaben der IHK. Diese hatte sich unter anderem erfolgreich dafür eingesetzt, Lösungsansätze für Verkehrsengpässe in der Metropolregion Rhein-Neckar beim Bundesverkehrswegeplan angemessen zu berücksichtigen.