Metropolregion auf dem Weg zur Modellregion der Digitalisierung

Die Voraussetzungen der Metropolregion Rhein-Neckar, die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern, sind hervorragend. Zu diesem Fazit kam Präsidentin Irmgard Abt in ihrer Rede zum Mannheimer Abend der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar. Bei der Veranstaltung im Luisenpark Mannheim, die dem Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft dient, stellte Abt die Bedürfnisse der Unternehmen im Themenfeld Digitalisierung dar. „Längst prägt die Digitalisierung nicht nur den Alltag von uns als Privatpersonen und Konsumenten – Mobiles Internet, Social Media oder Einkaufen im Online-Shop sind nur einige Beispiele. Mittlerweile hat die digitale Transformation sämtliche Stufen der industriellen Wirtschöpfung erfasst, von der Logistik über die Produktion bis hin zur Dienstleistung“, so Abt. „Gerade der Mittelstand steht zum Teil vor beträchtlichen Herausforderungen, wenn es um die Digitalisierung geht. Wichtig ist, dass die Unternehmen sich damit beschäftigen, die Herausforderungen ernst nehmen und ihre Chancen suchen.“
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Meilenstein: Digital-Gipfel in der MRN
Diese sieht IHK-Präsidentin Abt auch in den aktuellen Weichenstellungen innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar, um diese zur Modellregion der Digitalisierung zu entwickeln. „Im Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand sind innovative Lösungen und Technologien zur intelligenten Vernetzung in den Sektoren Bildung, Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung gefragt – und dies über die Grenzen von drei Bundesländern hinweg“, erläuterte IHK-Präsidentin Abt. Bis Ende 2018 stellt das Bundeswirtschaftsministerium 300.000 Euro daher für den Aufbau einer „Koordinierungs-stelle Intelligente Vernetzung“ zur Verfügung. Diese wird gemeinsam von der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, an der die IHK als Gesellschafter beteiligt ist, und dem Verband Region Rhein-Neckar getragen. Den ersten Meilenstein hin zur Digitalen Modellregion bildet der im Juni stattfindende Digital-Gipfel in Ludwigshafen. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurden Ludwigshafen/Mannheim vom Bundeswirtschaftsministerium als „Digital Hub“ ausgewählt. Die Stadt Heidelberg liegt außerdem aktuell im bundesweiten Wettbewerb um die „Digitale Stadt“ im Rennen.
IHK setzt sich ein für Digitalisierung im Mittelstand
Um die regionale Digitalisierungsstrategie voranzutreiben, muss aus Sicht der IHK unter anderem der Breitbandausbau am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet werden. „Es wird dringend Zeit, dass die Wirtschaft in der Region die Breitbandnetze bekommt, die sie dringend braucht, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben“, betonte Abt. Wichtig sei außerdem, die digitalen Kompetenzen zu stärken. Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften und unzureichende Kompetenzen von Mitarbeitern in der Digitalisierung dürften, so die IHK-Präsidentin, nicht zum Engpass für die Zukunftsstrategien der Unternehmen werden. Abt verwies hier auf die Lernfabriken 4.0, die aktuell im Rhein-Neckar-Kreis und dem Neckar-Odenwald-Kreis aufgebaut und die Unternehmen aus der gesamten Metropolregion offenstehen werden. Auch die IHK wird die Digitalisierung insbesondere für die mittelständische Wirtschaft voranbringen. So hat die IHK-Vollversammlung, das „Parlament der Wirtschaft“, dieses Thema unter anderem in ihrem 2016 verabschiedeten Strategiepapier verankert.
Lebhafter Austausch unter rund 350 Gästen
Spannende Inhalte zum späteren Austausch boten den rund 350 Gästen des Mannheimer Abends die beiden Referenten. Was passiert, wenn „Dinge über uns reden“, erläuterte Professor Dennis Pfisterer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, während Professorin Jutta Mata von der Universität Mannheim sich in ihrem Vortrag unter den Aspekten der Gesundheitspsychologie dem Thema „Fit und schlank im Schlaraffenland“ widmete.
Seit 1958 verleiht die IHK jährlich einen Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Irmgard Abt überreichte den Klaus-O.-Fleck-Preis an Dr. Corinna Hehlmann. Ihre Dissertation an der Universität Mannheim beschäftigte sich mit kulturabhängigen Konsumentenreaktionen. Musikalisch begleiteten Nachwuchstalente aus der Region den Abend.
Lesen Sie auch dazu die Rede von IHK-Präsidentin Irmgard Abt (hier gilt das gesprochene Wort):
"Verehrte Gäste, ich freue mich sehr darüber, dass Sie heute Abend persönlich zu uns gekommen sind – und nicht etwa Ihr virtuelles Abbild oder Ihren Roboter-Klon geschickt haben. Es ist schön, dass wir uns hier in Fleisch und Blut begegnen. Und auch Sie werden sich genauso wie ich darauf freuen, wenn wir uns später ganz altmodisch von Angesicht zu Angesicht austauschen können und Sie aus diesen persönlichen Gesprächen wertvolle Anregungen und neue Ideen mit nach Hause nehmen.
Aber die Tage unseres analogen Miteinanders scheinen gezählt – zumindest, wenn man den Prophezeiungen von Digital-Pionieren Glauben schenkt. Ray Kurzweil, der Technologie-Chef bei Google, ist weltweit bekannt für seinen visionären Bick in die Zukunft – und das mit gutem Grund; treffen doch fast 90 Prozent seiner zum Teil schockierenden Prognosen zu. Seine bekannteste aktuelle Vorhersage lautet, dass wir in knapp 30 Jahren die gesamte Gehirnaktivität eines Menschen, sein Wissen und seine Intelligenz auf einen Computer übertragen können. Damit wäre die Menschheit dann unsterblich – zumindest digital. Das Menschsein, also das, was uns Menschen ausmacht, wäre aber auch dann nicht übertragbar.
Unbestritten ist aber, dass unser Leben tatsächlich jeden Tag digitaler wird. Längst prägt die Digitalisierung nicht nur den Alltag von uns als Privatpersonen und Konsumenten – Mobiles Internet, Social Media oder Einkaufen im Online-Shop sind nur einige Beispiele. Mittlerweile hat die digitale Transformation sämtliche Stufen der industriellen Wertschöpfung erfasst, von der Logistik über die Produktion bis hin zur Dienstleistung. Unsere Wirtschaft steht grundlegenden Veränderungen gegenüber, die neues Wachstum und eine höhere Ressourcenproduktivität versprechen, aber auch den Verlust von Leitindustrien, Arbeitsplätzen und Wettbewerbspositionen für einzelne Unternehmen bedeuten können. Auf der einen Seite entstehen neue Geschäftsmodelle mit enormem Potential, auf der anderen Seite geraten zahlreiche klassische Branchen unter Druck.
Gerade wir als Mittelständler stehen zum Teil vor beträchtlichen Herausforderungen, wenn es um Digitalisierung geht. Wichtig ist, dass wir uns mit diesen Herausforderungen beschäftigen, sie ernst nehmen und unsere Chancen suchen. Die Zukunft ist immer ungewiss, aber wir können sie mitgestalten. Und wenn ich auf unsere Region schaue, dann sind wir bereits auf gutem Wege, uns für die Zukunft aufzustellen. Diese aktuellen Entwicklungen sind auch der Grund dafür, dass ich in diesem Jahr meine Rede bei unserer heutigen Veranstaltung fast ganz auf das Thema der Digitalisierung konzentriere.
Die Metropolregion Rhein-Neckar will sich in den kommenden Jahren zu einer Modellregion der Digitalisierung entwickeln und kann hierbei auch auf die Unterstützung des Bundes zählen. Bis Ende 2018 stellt das Bundeswirtschaftsministerium 300.000 Euro bereit zum Aufbau einer „Koordinierungsstelle Intelligente Vernetzung“. Gemeinsam getragen von der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, an der die IHK als Gesellschafter beteiligt ist, und vom Verband Region Rhein-Neckar wird die Koordinierungsstelle die in der Region vorhandenen Kompetenzen und Akteure stärker bündeln.
Diese digitale Modellregion soll im Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand hier über die Grenzen von drei Bundesländern hinweg entstehen. Es geht um innovative Lösungen und Technologien zur intelligenten Vernetzung in den Sektoren Bildung, Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung. Die positiven wirtschaftlichen Effekte der Digitalisierung in diesen fünf Bereichen beziffert das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung bundesweit mit 56 Milliarden Euro pro Jahr.
Ein erster Meilenstein auf unserem Weg zur Digitalen Modellregion steht unmittelbar bevor. Die gesamte Republik wird in gut vier Wochen auf unsere Region blicken, denn dann steigt in Ludwigshafen der Digital-Gipfel – vormals Nationaler IT-Gipfel. An der Spitze zahlreicher hochkarätiger Persönlichkeiten erwarten wir die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unser Dank gilt an dieser Stelle Herrn Mucic, Vorstand der SAP SE. Als Vorsitzender der Zukunftsinitiative Metropolregion Rhein-Neckar hat er den Digital-Gipfel mit dessen bundesweiter Strahlkraft in die Region geholt.
Eine schöne Meldung in den letzten Tagen war die Botschaft, dass unsere Region vom Bundeswirtschaftsministerium als ein „Digital Hub“ ausgewählt wurde. Formal haben Ludwigshafen/Mannheim diesen Titel gemeinsam erhalten, weil das Ministerium leider nur Bewerbungen von Städten zugelassen hatte. Bei uns aber werden die Aktivitäten hierzu von der gesamten Metropolregion gemeinsam getragen.
Wir drücken als IHK Rhein-Neckar auch der Stadt Heidelberg ganz kräftig die Daumen, dass sie beim bundesweiten Wettbewerb um die „Digitale Stadt“ vorne liegen wird. Dieser Wettbewerb ist vom Branchenverband Bitkom für Städte in der Größenklasse 100.000 bis 150.000 Einwohner ausgeschrieben worden – und Heidelberg hat die Endrunde der fünf Finalisten erreicht. Der Sieger wird auf dem Digital-Gipfel in Ludwigshafen verkündet.
Beim Thema Industrie 4.0 hat die Metropolregion Rhein-Neckar insgesamt eine sehr gute Ausgangslage und als Wirtschaftsstandort exzellente Perspektiven. Dies gilt für den engeren Kernraum mit seinen technologieorientierten Hochschulen und Institutionen, insbesondere aber auch bei Einbeziehung der Wissenschafts- und Hochschuleinrichtungen in Kaiserslautern, Darmstadt und Karlsruhe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der IHKs Rhein-Neckar, Pfalz und Darmstadt, die vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) erstellt wurde. Die Studie geht auch auf die Herausforderungen ein, vor denen wir als mittelständische Betriebe bei der Digitalisierung stehen.
Teilweise finden sich hierbei Herausforderungen wieder, mit denen die Unternehmen in anderem Zusammenhang bereits vertraut sind. Im Kontext der Digitalisierung erhalten sie jedoch eine neue Dimension. Ausbau von Infrastruktur, Qualifikation von Mitarbeitern, IT-Sicherheit, neue Technologien und Geschäftsmodelle – alle diese Themen stehen für uns als IHK ganz oben auf der Agenda. Um die regionale Digitalisierungsstrategie voranzutreiben, haben wir uns als IHK-Wirtschaftsforum bereits im vergangenen Jahr auch politisch positioniert. Der Breitbandausbau muss demnach am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet werden! Grundvoraussetzung für jegliche Digitalisierung sind schnelle und gut ausgebaute Datenautobahnen. In unseren IHK-Standort-Umfragen berichten uns die Betriebe, dass sie mit den Internetverbindungen immer weniger zufrieden sind. Bei der unvollkommenen Be-reitstellung spielt eine Rolle, dass der Breitband-ausbau als privater Markt definiert wurde, der aber vor allem in der Fläche nicht immer die gewünschte Versorgung garantiert. Wir nehmen positiv wahr, dass die politischen Entscheidungsträger in unserem Bezirk dabei sind, notwendige Weichen zu stellen. Aus Sicht der Unternehmen muss ich betonen: Es wird dringend Zeit, dass die Wirtschaft in der Region die Breitbandnetze bekommt, die sie dringend braucht, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Digitale Kompetenzen müssen gestärkt werden! Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften und unzureichende Kompetenzen von Mitarbeitern im IT-Bereich dürfen nicht zum Engpass für die Zukunftsstrategien der Betriebe werden. Der Umgang mit innovativen digitalen Anwendungen muss deshalb bedarfsgerecht in der schulischen und beruflichen Bildung sowie an den Hochschulen vermittelt werden. Dafür sind wesentlich stärker als bisher einschlägige Kompetenzen in den Schulcurricula und Lehrplänen zu verankern. Auch die digitale Ausstattung der Schulen muss an diese Anforderungen angepasst werden. Ein richtiger Schritt zur Stärkung der Digitalkompetenzen sind die Lernfabriken 4.0, die momentan im Rhein-Neckar- und dem Neckar-Odenwald-Kreis aufgebaut werden. Diese durch das Land Baden-Württemberg geförderten und von der Wirtschaft unterstützten Einrichtungen sollen Unternehmen aus der gesamten Region offenstehen und in Hessen und Rheinland-Pfalz Nachahmung finden.
Verehrte Gäste, Sie merken es vielleicht, es liegt mir als IHK-Präsidentin und auch persönlich am Herzen, die Digitalisierung gerade auch für unsere mittelständische Wirtschaft voranzubringen. Vergangenes Jahr hat unser Parlament der regionalen Wirtschaft – die Vollversammlung der IHK Rhein-Neckar – die Leitlinien für die IHK-Arbeit der kommenden Jahre festgelegt. Die Digitalisierung der Wirtschaft zu unterstützen und ein Zukunftsradar für die Mitgliedsunternehmen zu sein, haben wir dabei zu einem strategischen Ziel für die IHK-Arbeit erklärt. Deshalb belassen wir es als IHK auch nicht bei Forderungen an die Politik. Sondern wir unterstützen die Mitgliedsbetriebe auf dem Weg ins digitale Zeitalter mit einem bedarfsgerechten und praxisnahen Informations- und Veranstaltungsangebot.
Bereits jetzt ist die Digitalisierung auch in unserer IHK-Strategie fest verankert. Beispielsweise im Auslandsgeschäft bei der Ausstellung elektronischer Ursprungszeugnisse, die seit Jahren stark nachgefragt sind. Auch die Teilnehmerzahlen bei Weiterbildungs-Seminaren wie etwa zur digitalen Arbeitswelt oder zum Online-Marketing steigen. Im gerade neu bezogenen „Haus der Berufsbildung“ werden wir auch Zertifikatslehrgänge zu den Themen E-Commerce und IT-Sicherheit anbieten. Mit den erwähnten Lernfabriken 4.0 stehen wir im engen Dialog dazu, wie diese Einrichtungen nicht nur für die Ausbildung, sondern zukünftig auch für die Weiterbildung der Beschäftigten in den Betrieben genutzt werden können.
Einen Schwerpunkt des IHK-Angebots zum Thema „Wirtschaft Digital“ bilden unsere Informations- und Technologietransfer-Veranstaltungen. Vergangenes Jahr nutzten rund 2.000 Teilnehmer dieses Angebot. Hier stehen Themen wie Elektronische Rechnung, Online-Recht, Big Data und Industrie 4.0 auf dem Programm. Bei einigen dieser Themen arbeiten wir seit Jahren sehr eng und erfolgreich mit den Hochschulen der Region zusammen. So haben kürzlich 100 mittelständische Führungskräfte die Chance genutzt, um sich in einer gemeinsamen Veranstaltung von IHK und Dualer Hochschule Mannheim über den aktuellen Stand und die Chancen von 3D-Druck zu informieren.
Die Umsetzung von Digitalisierungs- oder Forschungsprojekten ist für produzierende Unternehmen häufig nicht ohne externe Partner möglich. Hier kommen unsere IHK-Technologie-Coaches ins Spiel. Immer mehr Betriebe nutzen diesen kostenfreien vom Land unterstützen Service, mit dem sie geeignete regionale Partner für Forschung und Entwicklung und auch passende Fördergelder finden. Ich lade Sie herzlich ein, sich später am Info-Stand über das IHK-Angebot zu „Wirtschaft Digital“ zu informieren.
Mit dieser kurzen Reise durch die Digitalisierung in unserer Region habe ich Sie auf das Thema eingestimmt, das derzeit unsere Welt verändert. Mir persönlich ist nicht bange vor den Veränderungen. Unsere Metropolregion Rhein-Neckar hat hervorragende Ausgangsbedingungen, die wir aus Wirtschaft und Politik gemeinsam mit konzentrierter Arbeit nutzen wollen. Bitte unterstützen Sie uns dabei. Vielen Dank dafür. Und vielen Dank heute Abend für Ihre Aufmerksamkeit!"