Die Berufsakademie Karlsruhe bietet ab dem Wintersemester 2007/2008 erstmalig ein innovatives Programm speziell für Übernehmer kleiner und mittlerer Betriebe in Baden-Württemberg an. Der Bachelor-Studiengang „BWL - Unternehmensentwicklung” zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus. Inhaber von kleineren Betrieben wie Dienstleister, Handwerker oder Händler, konnten sich bislang lediglich fachspezifisch auf eine Unternehmertätigkeit vorbereiten. Auf den immer anspruchsvoller werdenden Märkten der Zukunft genügt es jedoch nicht mehr, nur eine Leistung oder ein Produkt in guter Qualität erstellen zu können. Die Notwendigkeit von kreativen Vertriebsformen, die Organisation entlang ausgefeilter Wertschöpfungsketten sowie die Veränderungen der Kapitalmärkte und der Bankenlandschaft stellen alle Unternehmer vor neue Herausforderungen.
Die Berufsakademie Karlsruhe reagiert auf diese Situation mit der Schaffung eines neuen Angebotes speziell für Unternehmer und Unternehmensnachfolger. Im Studiengang „BWL-Unternehmensentwicklung” sollen ab Herbst 30 junge Menschen aus ganz Baden-Württemberg professionell auf eine Unternehmerkarriere vorbereitet werden. Der Initiator und stellvertretende Direktor, Prof. Dr. Rüdiger Schäfer: „Der Studiengang BWL-Unternehmensentwicklung wurde eigens für künftige Unternehmer konzipiert. Junge Frauen und Männer, die entweder schon heute oder in naher Zukunft einen Betrieb leiten bzw. übernehmen, werden in einem dreijährigen Intensivprogramm mit allen Aspekten der modernen Unternehmensführung im Mittelstand vertraut gemacht.”
Inhalte des Studiengangs
Dazu zählen neben operativen Leistungskompetenzen wie Marketing, Finanzen, Personal und Controlling vor allem die Kernaufgaben jedes Unternehmers: Planung, Führung, Strategie, Innovation. Aber auch die aus Gesellschaftersicht relevanten Faktoren wie Unternehmensbewertung, Vermögensplanung oder Familienstrategie werden eingehend behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der detaillierten Vorbereitung auf den Nachfolgeprozess mit all seinen organisatorischen, steuerlichen, rechtlichen, persönlichen und familiären Auswirkungen.
Entsprechend des neuen Hochschulrechts ist der BWL-UE auch für Praktiker ohne Abitur zugänglich. Speziell Meister, Techniker, Betriebs- und Handelsfachwirte haben die Möglichkeit, ihre Praxiserfahrungen durch eine fundierte betriebswirtschaftliche Ausbildung zu ergänzen. Alle Teilnehmer müssen mindestens vier Jahre Berufserfahrung mitbringen und außerdem ein konkretes Nachfolgeprojekt vorweisen: ein Unternehmen aus der Familie, des bisherigen Arbeitgebers oder aus anderer Quelle, das sie irgendwann übernehmen werden.
Ein weiterer Unterschied zu anderen Studiengängen der Berufsakademie liegt in der Zeitstruktur. Da sich kaum ein Unternehmer oder bereits beruflich tätiger Nachfolger für die sonst üblichen 12-wöchigen Studienphasen komplett frei machen könnte, finden die Vorlesungen dieses Programms geblockt freitags und samstags statt, und zwar in fast jeder Woche im Jahr. Professor Schäfer: „Mit dieser Lösung ist einerseits ein berufsbegleitendes Studium auch für aktive Unternehmer möglich, andererseits dient die allwöchentliche Verzahnung von Theorie und Praxis dem Studienziel einer sehr praxisorientierten Unternehmerqualifikation.”
Der Studiengang ist mit zwei eigenen Professurstellen ausgestattet. Ein wesentlicher Teil der Finanzierung während der Startphase kommt von der Landesstiftung Baden-Württemberg, die den BWL-UE als beispielhaftes und innovatives Zukunftsprojekt unterstützt.
Der erste Jahrgang des Studiengangs BWL-Unternehmensentwicklung beginnt zum Wintersemester 2007/2008, maximal 30 Studienplätze stehen zur Verfügung. Bewerbungen sind ab sofort möglich.
Das Wichtigste zum BWL-UE
- Studienkonzept: Berufsbegleitende Qualifikation für (künftige) Unternehmer
- Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
- Zielgruppe: Menschen mit einer zukünftigen Unternehmeraufgabe in kleineren Unternehmen aus Dienstleistung, Handel, Produktion und Handwerk:
- Unternehmensnachfolger aus der Familie
- Unternehmensnachfolger aus dem Mitarbeiterkreis
- Existenzgründer und Unternehmer
- Engagierte Mitarbeiter mit dem Ziel einer Selbständigkeit
- Ehefrauen, PartnerInnen und Geschwister von Unternehmern
- Zeitmodell: Vollstudium parallel zur Berufstätigkeit im Unternehmen:
- Studiendauer drei Jahre (sechs Semester)
- Start jeweils zum Wintersemester
- Vorlesungen jeweils Freitag und Samstag, ca. 19 Wochen/Halbjahr
- Präsenzzeiten Freitag 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr, Samstag 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr
- außerdem pro Semester eine Präsenz-Blockwoche Montag bis Samstag
- Zulassungsvoraussetzungen:
- Allg. Hochschulreife (Abitur) ODER berufsorientierter Abschluss
- Meisterbrief
- Betriebswirt IHK oder HWK,
- Betriebswirt VWA
- Handelsfachwirt oder ähnliches
- Mehrjährige einschlägige Berufserfahrung
- Erfolgreiche Teilnahme am Auswahl- und Zulassungsverfahren
- Vertrag für BA-Studium mit Betrieb oder eigenes Unternehmen
- Lehrkonzept: Ganzheitliche Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit:
- Operative Kompetenz: Umfassendes Grundlagenstudium BWL
- Unternehmerkompetenz: Spezialisierung für selbständige Unternehmer
- Gesellschafterkompetenz: zusätzliche Schwerpunkte für Eigentümer
- Gruppengröße: max. 30 Teilnehmer pro Jahrgang
- Studiengebühren: landesüblich 500 Euro pro Semester
- Start des 1. Jahrgangs: 1. Oktober 2007
Stichwort Unternehmensnachfolge
In Deutschland stehen pro Jahr mehr als 70.000 Unternehmen zur Übergabe an, davon ca. 11.000 in Baden-Württemberg. Knapp die Hälfte davon wird von Nachfolgern aus der Familie weitergeführt, andere von Mitarbeitern (MBO) oder Führungskräften von außerhalb (MBI). Wenn all dies nicht möglich ist, droht entweder ein Verkauf oder eine Schließung. In beiden Fällen stehen die Arbeitsplätze auf dem Spiel, denn auch neue Eigentümer sind meist mehr an Marke, Kundendatei oder Technologien interessiert, weniger an Fertigungsstandorten und Mitarbeitern. Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge liegt daher sowohl den Unternehmern selbst am Herzen, als auch im gesamtwirtschaftlichen Interesse.
Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg fasste bereits 2002 die Aktivitäten im Land unter dem „12-Punkte-Programm Unternehmensnachfolge” zusammen. Kammern, Wirtschaftsorganisationen und Hochschulen arbeiten gemeinsam an der Bewältigung der „Nachfolge-Krise” und an innovativen Angeboten für Übernehmer.