Der Generationswechsel im Mittelstand betrifft viele Familienunternehmen. Eine Nachfolge-Beratung durch das RKW Baden-Württemberg ist sinnvoll - eine finanzielle Unterstützung durch das Land möglich.
Hintergründe und Fakten
Auf viele mittelständische Unternehmen Baden-Württembergs kommt in den nächsten Jahren ein Generationswechsel zu. Konkrete Zahlen legt das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn vor: Rund 11.000 Familienunternehmen mit etwa 140.000 Arbeitsplätzen stehen jährlich zu einer Übergabe an. Gründe hierfür sind das altersbedingte Ausscheiden des Geschäftsführers, aber auch persönliche Ursachen wie Krankheit, Unfall oder Scheidung des Inhabers. Doch nur etwa 50 Prozent dieser Betriebe schaffen den Übergang in die zweite Generation. Der Wechsel in die dritte Generation gelingt sogar nur bei drei bis vier Prozent aller Firmen.
Übergabe-Beratung des RKW Baden-Württemberg
Eine besondere Beratung vom RKW Baden-Württemberg zur Unternehmensnachfolge kann unter bestimmten Voraussetzungen verbilligt angeboten werden. Denn durch das Programm des Landes Baden-Württemberg ist eine finanzielle Unterstützung für interessierte Unternehmer möglich. Diese Beratung zielt auf eine individuelle und systematische Planung des Übergabeprozesses in Form eines "Übergabe-Fahrplanes".
Mögliche Inhalte der Beratung
Geklärt werden kann so zum Beispiel der Zeitpunkt des Ausstiegs, die Höhe des Verkaufspreises, die Suche eines geeigneten Nachfolgers und die Klärung steuerlicher und rechtlicher Aspekte. Und auch Maßnahmen, durch die die Firma für den Verkauf "fit gemacht" werden kann, sind hier ein Thema.
Auf diese Weise ist eine erfolgreiche Gestaltung der Unternehmenszukunft, aber auch der persönlichen Lebensplanung des Inhabers möglich. Denn schließlich ist für den Übergeber solch ein Projekt in der Regel ein einmaliger Vorgang und ein Rückgriff auf persönliche Erfahrungswerte kaum möglich. Zudem lässt das laufende operative Geschäft meist zu wenig Zeit, um sich der Übergabe des Betriebes an die nächste Generation mit all der Konzentration zu widmen, die notwendig ist.
Rechtzeitige Planung schafft Vorteile
Klar ist aber auch: Wenn ein Unternehmer rechtzeitig plant und die Zukunft aktiv gestaltet, verschafft er nicht nur seiner Firma und seinen Mitarbeitern eine langfristige Perspektive. Er erhöht auch die Chance, sein Privatleben nach der Übergabe sinnvoll vorzubereiten.
Damit ein Unternehmen nicht plötzlich und ganz unerwartet ohne Geschäftsführung dasteht, sollten zwei Dinge beachtet werden: Zum einen sollte unabhängig vom Alter des Inhabers eine klar definierte Stellvertreter-Regelung im Unternehmen bestehen. Zum anderen sollte die Betriebsübergabe sorgfältig vorbereitet werden. Denn gerade die Unternehmens-Nachfolge braucht einen zeitlichen Vorlauf: In der Regel geht man von einem Zeitraum von fünf Jahren aus. Da ein Generationswechsel in der Geschäftsführung oft schwierig zu gestalten ist, ist die Unterstützung durch externe Unternehmensberater sinnvoll. Denn erfahrungsgemäß schieben viele Inhaber dieses Problem vor sich her: So manchem Unternehmer fällt die Trennung vom Lebenswerk und die Auseinandersetzung mit der zukünftigen Lebensplanung schwer, oder er scheut Konflikte innerhalb der Familie wegen des Erbes. Und oft genug ist einfach kein geeigneter Unternehmens-Nachfolger zur Hand.
Doch das kann böse Folgen haben. Wer nicht plant, kommt unter Zeitdruck, der dann zu eklatanten Übergabefehlern führen kann: Finanzierungsmängel, rechtliche und steuerliche Fehlentscheidungen und eine falsche Personalauswahl bei der Neubesetzung der Geschäftsführung sind oft die Folgen. Dies kann im Extremfall die Existenz des Unternehmens insgesamt gefährden. Doch das muss nicht sein, wenn man einige Grundregeln beherzigt - und sich bei diesem sensiblen und schwierigen Thema durch kompetente externe Dienstleister wie Kammern, Unternehmensberater, Rechtsanwälte oder Steuerberater unterstützen lässt.
Beratung für den Unternehmens-Nachfolger
Auch der Nachfolger sollte sich während und nach der Übergabe von einem erfahrenen RKW-Berater unterstützen lassen. Eine mit Landesmitteln geförderte Existenzgründungsberatung durch das RKW Baden-Württemberg kann unter bestimmten Voraussetzungen hierfür ebenfalls in Anspruch genommen werden.
Konditionen der Übergabe-Beratung
Antragsberechtigte:
Natürliche Personen, die ihr Unternehmen an Familienangehörige oder an Externe übergeben wollen. Es muss sich um ein eigenständiges Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Vorjahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder mit einer Vorjahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro handeln.
Regionaler Bereich: Baden-Württemberg
Anwendungszweck:
Beratungen im Zusammenhang mit der Übergabe eines bestehenden Unternehmens. Wesentlicher Inhalt und Ziel der Beratung ist die Erstellung einer auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittenen Kurzstudie („Übergabe-Fahrplan”) und soll die wesentlichen Schritte des Übergabeprozesses darstellen. Folgende Punkte müssen beachtet werden:
- Analyse der persönlichen Situation des Unternehmers,
- Analyse des Umfeldes,
- Erörterung der Übergabe-Alternativen,
- Grobbewertung des Unternehmens,
- Entwicklung eines konkreten Übergabekonzepts.
Hierbei kann die Gewichtung der einzelnen Punkte je nach Ausgangslage im Einzelfall variieren.
Bemerkungen: Routinemäßige Steuer- und Rechtsberatung etc. ist von der Förderung ausgeschlossen.