Unternehmensnachfolge - eine große Herausforderung für Familienunternehmen in Deutschland
Was passiert, wenn der Chef verunglückt? Wer führt das Unternehmen weiter, wenn der Chef länger krank ist? Wer übernimmt die Leitung, wenn der Familienunternehmer in den Ruhestand geht? Die Bewältigung der Unternehmensnachfolge ist eine der größten Herausforderungen für kleine und mittlere Familienunternehmen in Deutschland. In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) antworteten mehr als 1.100 Unternehmen, wie sie die Nachfolge regeln wollen. Wichtigstes Ergebnis: Jährlich stehen mehr als 40.000 Unternehmen im Fall des Generationenwechsels vor einem Verkauf oder einer Schließung - damit stehen auch rund 140.000 Arbeitnehmer vor einer ungewissen Zukunft. Hauptgrund für einen Verkauf: Häufig findet sich in der Familie kein Nachfolger, der den zumeist kleinen Betrieb mit geringen Unternehmenswerten übernehmen kann oder will.
Nachfolgebörse hilft weiter
Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) haben zusammen mit weiteren Partnern im vergangenen Jahr Deutschlands größte Unternehmensbörse www.nexxt-change.org ins Leben gerufen. In „nexxt-change" finden sich mehr als 10.000 Inserate zur Unternehmensnachfolge - neben Angeboten auch Gesuche von Existenzgründern, die eine Nachfolge antreten möchten. Die IHKs stellen gut die Hälfte aller Inserate in die Online-Börse ein. Mit Hilfe von „nexxt-change" konnten so 2006 mehr als 1.600 Unternehmen erfolgreich an einen externen Nachfolger vermittelt und Arbeitsplätze in Familienunternehmen gesichert werden.
Basel II macht Druck
Spätestens seit Basel II ist es beinah sprichwörtlich: Wer frühzeitig an morgen denkt, hat es heute leichter mit der Finanzierung. Denn durch Basel II honorieren Kreditinstitute verstärkt eine systematische Nachfolgeplanung beim Rating. Erfahrungen aus der Beratungspraxis der Industrie- und Handelskammern zeigen zudem, dass ein erfolgreicher Nachfolgeprozess gut und gerne vier bis sechs Jahre dauern kann. Deshalb sollte sich jeder Familienunternehmer frühzeitig Gedanken machen – und nicht erst, wenn der Ruhestand in Sicht ist! Für den Ernstfall sollte jederzeit zumindest ein „Notfallkoffer" bereitstehen, in dem wichtige Unterlagen wie Stellvertreterregelungen, Bankverbindungen und ein Testament zur Vermeidung von Erbstreitigkeiten hinterlegt sind. Es gilt also: Schon bei der Gründung des Unternehmens sollten Fragen der Unternehmensnachfolge im Start-up-Businessplan bedacht werden.
Wo geht der Weg hin?
80 Prozent der Unternehmer wollen den Betrieb innerhalb der Familie vererben. Die Politik ist hier gefordert, die Unternehmen in der Generationenfolge zu sichern. Die lange angekündigte Reform der Erbschaftsbesteuerung beim Übergang von Betriebsvermögen muss nun endlich zügig umgesetzt werden. Untätigkeit würde die langfristige Existenz betroffener Familienunternehmen gefährden. Das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Bewertungsgrundlagen der Erbschaftsteuer steht dem nicht entgegen. Im Gegenteil: Die Richter bekräftigen ausdrücklich die Entscheidungsfreiheit des Gesetzgebers, durch eine niedrigere Erbschaftsteuerlast die Fortführung des Unternehmens zu erleichtern. Und das ist gut so: Schließlich hängen an der familieninternen Nachfolge in Deutschland jährlich mehrere hunderttausend Arbeitsplätze.
Die Studie (siehe "Downloads") des DIHK zeigt auf, wie sich die Unternehmensnachfolge in Deutschland in Zahlen entwickelt - und wo der Weg hingeht.