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STARTHILFE UND UNTERNEHMENSFÖRDERUNG

Planungsrechnungen zur Finanzierung

Ein Schritt zur Realisierung Ihres Gründungsvorhabens sind die Planungsrechnungen. Ziel ist es, aus den groben Vorstellungen ein überschaubares Zahlengerüst zu erstellen. Die Planungsrechnungen können Sie auch bei Gesprächen mit Kreditinstituten und sonstigen Kapitalgebern verwenden, denn dort müssen Sie ein detailliertes und überzeugendes Gründungskonzept vorlegen. Bei einer Unternehmensgründung sollten Sie folgende Planungsrechnungen erstellen:

  • Den Kapitalbedarfsplan
  • Die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
  • Die Liquiditätsplanung

Mit diesen Planungen sollten Sie aber nicht nur die Start- und Aufbauphase des Unternehmens erfassen, sondern Sie sollten ständig im Rahmen eines Soll-Ist-Vergleichs als Steuerungs- bzw. Controllinginstrument fortgeführt werden.

1. Kapitalbedarfsplan
Der Kapitalbedarf zur Unternehmensgründung ist der Beitrag, den Sie benötigen, um mit Ihrem Unternehmen zu starten und die Aufbauphase finanziell überstehen zu können. Die genaue Ermittlung des Kapitalbedarfs gehört zu den wesentlichen Aufgaben jedes Existenzgründers. Eine fundierte Kapitalbedarfsplanung hilft, Liquidität zu sichern und Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Dazu gehört aber nicht nur der langfristige Kapitalbedarf für das Anlagevermögen wie Gründstücke, Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge, sondern auch der kurzfristige Kapitelbedarf für das Umlaufvermögen, beispielsweise das Material- und Warenlager sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Auch die finanziellen Belastungen während der Anlaufphase (also auch eventuelle Anlaufverluste) und der Tilgung von Krediten sollten Sie hierbei berücksichtigen.

Zum Anlagevermögen zählen Sachinvestitionen, die dem Unternehmen längerfristig zur Verfügung stehen. Die dafür erforderlichen Anschaffungskosten sind nach dem Vergleich von Angeboten relativ leicht zu ermitteln. Hingegen ist die Ermittlung des Kapitalbedarfs für das Umlaufvermögen schwieriger. Umlaufvermögen wird für die Gründungsplanung unterteilt in den ersten Waren- oder Materialbestand und in die Betriebskosten für die Anlaufphase. Zu berücksichtigen sind dabei der tägliche Verbrauch beziehungsweise Aufwand an Materialien, Löhne und andere laufende Betriebskosten die Produktionsdauer, die Lagerdauer sowie der Zahlungsmodus der Kunden.

Den Warenbestand können Sie gegebenenfalls an branchenüblichen Daten orientieren. Ihre Betriebskosten müssen Sie jedoch konkret ermitteln und mindestens in der Höhe für drei Monate ansetzen. Außenstände, Personalkosten, Miete, Büro- und Verwaltungskosten sowie Energie- und Fahrzeugkosten, aber auch Zinsen und Tilgungsraten für Kredite müssen Sie in der Planung des Betriebmittelbedarfs ebenfalls berücksichtigen.
Nicht vergessen dürfen Sie die Gründungskosten; dies sind Ausgaben, die in direktem Zusammenhang mit der Gründung stehen (Eintragung in das Handelsregister, Notarkosten, Maklercourtage, Gebühren und so weiter).
Soweit Kosten für die private Lebens- und Haushaltsführung nicht anderweitig sichergestellt sind, sollten Sie auch diese in den Kapitalbedarfsplan einbeziehen; ein Zeitraum von bis zu sechs Monaten sollte veranschlagt werden.
Der Kapitalbedarf sollte nicht zu knapp ermittelt werden. Planen Sie eine Reserve für "Unvorhergesehenes" ein. Reduzieren Sie Ihren Betriebsmittelbedarf durch sofortige Rechnungslegung, rationelle Lagerhaltung, eine konsequente Zahlungsüberwachung und ein geordnetes Mahnwesen. Beachten Sie, dass bei steigenden Umsätzen der Betriebsmittelbedarf durch höhere Kosten und ein höheres Warenlager ebenfalls wächst und finanziert werden muss.

Beispiel für einen Kapitalbedarfsplan

1. Langfristige Investitionen

in EURO

Grundstücke

Gebäude

Umbaumaßnahmen

Maschinen, Geräte

Geschäfts- bzw. Ladeneinrichtung

Fahrzeuge

Mietkaution

Reserve für Folgeinvestitionen
und Unvorhergesehenes

Gesamt

2. Kurzfristige Investitionen

Material- und Warenlager

3. Betriebsmittel

Personalkosten

Büro- und Verwaltungskosten

(Eröffnungswerbung, Briefpapier etc.)

Miete/Pacht

Zinsen/Tilgung

Außenstände

Gesamt

4. Gründungskosten

Anmeldungen/Genehmigungen

Eintragung ins Handelsregister

Notar

Beratungen

Gesamt

5. Privatentnahmen

Gesamter Kapitalbedarf

2. Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
Die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau ist eine der schwierigsten Aufgaben bei der Gründungsplanung. Eine selbständige Existenz lohnt sich nur, wenn auch ein ausreichender Gewinn erwirtschaftet wird. Der Gewinn sollte so hoch sein, dass

  • ein angemessener kalkulatorischer Unternehmerlohn (für die private Haushalts- und Lebensführung)
  • die sozialen Aufwendungen (Krankheit, Altersvorsorge und so weiter)
  • die anfallende Einkommenssteuer
  • eventuelle Darlehenstilgungen

erwirtschaftet werden können.

Beispiel für die Ermittlung der Privaten Ausgaben/Jahr

Beispiel

Ihre Zahlen

Steuern auf das Einkommen

3.000 Euro

Krankenversicherung

3.500 Euro

Rentenversicherung

1.500 Euro

Lebensversicherung

3.000 Euro

Private Miete

6.000 Euro

Lebensunterhalt

12.000 Euro

Benötigte private Einnahmen

(also Ihr notwendiger Mindestlohn)

29.000 Euro

+ sonstige private Ausgaben

3.000 Euro

= Summe aller privater Kosten, die also mindestens erwirtschaftet werden müssen

32.000 Euro

Nach diesem Beispiel sollte ein Gewinn von mindestens 32.000 Euro erzielt werden, damit eine tragfähige Lebensgrundlage gesichert ist. Der Jahresüberschuss deckt dann genau die privaten Ausgaben.

a) Vom notwendigen Gewinn zum erforderlichen Umsatz: Ermittlung der Kosten
Veranschlagen Sie Ihre betrieblichen Kosten. Hierzu gehören insbesondere die Personalkosten und die Sachgemeinkosten (Miete, Versicherungen, Werbung, Fahrzeugkosten und so weiter). Bei einer Finanzierung durch Fremdkapital müssen auch Zinsen berücksichtigt werden. Hinzu kommen die Abschreibungen auf das betriebliche Anlage- und Umlaufvermögen. Auch Darlehenstilgungen sollten berücksichtigt werden.
Bei der Kostenermittlung können Sie teilweise auf Durchschnittswerte und allgemeine Branchendaten zurückgreifen. Planen Sie insbesondere bei den Sachkosten ausreichende Reserven ein. Bei Neugründungen wird häufig die Höhe der Sachkosten unterschätzt; mitunter werden auch wichtige Positionen übersehen.

Noch ein Hinweis:
Sie müssen sich und Ihr Unternehmen erst auf dem Markt bekannt machen, also die Werbetrommel rühren. Werbung ist meistens teurer als geplant. Planen Sie mit einem Zeit- und Kostenplan so präzise wie möglich.

b) Ermittlung des erforderlichen Umsatzes
Den erforderlichen Umsatz errechnen Sie, indem Sie Ihren Mindestgewinn und die errechneten Kosten addieren. Sofern Sie ein Dienstleistungsunternehmen gründen, das keinen Wareneinsatz benötigt, steht nun bereits der erforderliche Planumsatz fest. Bei der Gründung eines Handelsunternehmens ist noch die individuelle Handelsspanne (Prozentsatz) anzusetzen. Neben den Besonderheiten der jeweiligen Branche ist die Handelsspanne unter anderem von Ihren Einkaufskonditionen, Rabattgewährungen und Sonderverkäufen abhängig. Die durchschnittliche Handelsspanne Ihrer Branche können Sie den Branchenvergleichen entnehmen.

Die Ermittlung des erzielbaren Umsatzes erfolgt im Einzelhandel durch Konkurrenz- und Standortanalysen beziehungsweise die Ermittlung des Marktpotenzials. Dabei muss die Größe des neu gegründeten Unternehmens beachtet werden. So ist im Einzelhandel zum Beispiel auf einer bestimmten Verkaufsfläche in der Regel nur ein entsprechender maximaler Umsatz erzielbar. Dies gilt auch für das Personal: Eine Arbeitskraft hat eine Kapazitätsgrenze, die den erzielbaren Umsatz begrenzt. Der erforderliche Mindestumsatz wird somit nicht nur von Ihren Gewinnerwartungen bestimmt, sondern auch von der Größe der Räumlichkeiten und der Zahl der Mitarbeiter.

Dienstleister sollten, ausgehend vom veranschlagten Honorar (Stundenbasis oder Pauschalvergütung), ermitteln, ob die erforderlichen Einnahmen beim möglichen Auslastungsgrad der Arbeitszeit realistisch sind. Hierbei müssen aber Akquisitionszeiten und sonstige Tätigkeiten ohne Honorarvergütung berücksichtigt werden.

Mitunter wird nach dem Nutzen der Umsatz- und Rentabilitätsvorschau gefragt. Wichtig ist: Durch eine möglichst präzise Ermittlung des Umsatzes und der Kosten können betriebliche Entwicklungen und Probleme rechtzeitig erkannt werden. Dadurch kann der Inhaber auf kritische Situationen rechtzeitig reagieren.

Beispiel einer Umsatz- und Rentabilitätsvorschau

1. Jahr

2. Jahr

3. Jahr

Quartal 1

Quartal 2

Quartal 3

Quartal 4

Q 1 - 4Q 1 - 4

Umsatz

./. Wareneinsatz

= Rohgewinn I

./. Personalkosten

= Rohgewinn II

./. sonstige Kosten

= erweiterter cash-flow

./. Zinsen

= cash-flow

./. AfA

= Reingewinn vor Steuern

3. Liquiditätsplan
Mit der Umsatz- und Rentabilitätsvorschau ermitteln Sie, ob die Umsätze realistisch sein können und ausreichende Gewinne zu erwirtschaften sind. Ob Ihr Unternehmen jederzeit über genügend "flüssige Mittel" verfügt, kann daraus aber nicht abgeleitet werden. Die Liquiditätsplanung zeigt, ob Sie auch in der Zeit nach der Gründung genügend Geld haben werden, um weiterarbeiten zu können. Wenn nicht, droht Ihrem Betrieb die Zahlungsunfähigkeit.
Liquide sein bedeutet, die anfallenden Verbindlichkeiten fristgerecht bezahlen zu können. Einnahmen und Ausgaben sind aber nicht gleichmäßig über das Geschäftsjahr verteilt. Wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt des Jahres die Ausgabenseite höher ist als die Einnahmeseite, entsteht ein Liquiditätsengpass oder sogar eine Zahlungsunfähigkeit.

Erarbeitung eines Liquiditätsplanes
Aus Ihrem Umsatz- und Kostenplan kennen Sie die voraussichtlichen Umsätze und Kosten des ersten Geschäftsjahres. Wichtigste Überlegung bei der Erstellung eines Liquiditätsplanes ist, in welchen Monaten aus Umsätzen Einnahmen werden (Zahlungseingänge) werden und in welcher Höhe diese anfallen. Zahlungseingänge sind vorrangig die Umsätze, aber auch Einzahlungen aus Krediten, Privateinlagen oder sonstigen Einnahmen. Berücksichtigen sollten Sie saisonale Schwankungen Ihrer Branche, Laufzeiten längerfristiger Aufträge und Urlaubszeiten.
Diese Berechnung führen Sie ebenso für Ihre ausgabenwirksamen Kosten (Zahlungsausgänge) durch. Beachten Sie, welche Ausgaben unabhängig von der Beschäftigung entstehen. Miete, Gehälter, usw. sind fixe Kosten; Ausgaben in Abhängigkeit von der Produktionsmenge sind variable Kosten. Berücksichtigen Sie auch Zahlungen an Lieferanten, Steuern, Privatentnahmen sowie Zinsen und Tilgungen für das Fremdkapital.
Aus der Gegenüberstellung der Einzahlungen zu den Auszahlungen ergibt sich der monatliche Überschuss (Überdeckung) oder der monatliche Fehlbetrag (Unterdeckung). Diese übertragen Sie auf den nächsten Monat und führen dort gleiche Rechnungen durch. Im Falle einer Unterdeckung können Sie jeweils rechtzeitig für die Deckung des Fehlbetrags sorgen, beispielsweise durch die Inanspruchnahme eines Kontokorrentkredits oder eine Privatanlage.

Beispiel für eine Liquiditätsplanung für das Geschäftsjahr 1 (für jedes Geschäftsjahr 1-3 durchzuführen)

Alle Beträge in EUR

Jan.

Febr.

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

1. Jahr

1. Zuflüsse/Einnahmen

Saldo des Vormonats

1.1 Umsatz

1.2 Eigenkapital

1.3. Darlehen

1.4 sonstige Zuflüsse

Summe Liquiditäts-Zugang

2. Auszahlungen

2.1 Anlageinvestitionen

2.2 Personalkosten

2.3 Material-/Wareneinkauf

2.4 betriebl. Ausgaben

2.5 Zinsen

2.6 MwSt.

2.7 Tilgung

2.8 Privatentnahmen

2.9 Steuern

2.10 sonstige Auszahlungen

Summe Liquiditätsabgang

3. Liquiditätssaldo

4. Liquiditätssaldo kumul.

Liquiditätssaldo kumul. =Kapitalbedarf

DOKUMENT-NR. 2308

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