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DEMOGRAPHISCHER WANDEL

Die Belegschaft im Neckar-Odenwald-Kreis altert

Die demografische Entwicklung und der damit einhergehende Fachkräftemangel in der Bundesrepublik werden sich in den kommenden Jahren erheblich auf die Wirtschaft auswirken. War dieser Trend in den Jahren 2008 und 2009 noch durch die Finanzkrise überlagert, so wird er mit fortschreitender Erholung der Konjunktur seit dem Jahr 2010 umso deutlicher spürbar. Das Fehlen von qualifiziertem Personal wird Unternehmen zwingen, Aufträge abzulehnen. Der gesamtwirtschaftliche Verlust an Wertschöpfung wird bereits heute auf mehrere Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Aus- und Fortbildung stärken

Will Deutschland auf Dauer sein Wohlstandsniveau halten, sind Unternehmen und Staat mehr denn je in der Pflicht, die mittel- bis langfristige Versorgung mit Fachkräften sicherzustellen. Die Stärkung von Aus- und Fortbildung ist unverzichtbar, reicht aber nicht aus. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf mindestens 67 Jahre darf nicht zurückgenommen werden. Des Weiteren müssen vor allem die Personengruppen in den Mittelpunkt rücken, deren Beteiligung an der Erwerbstätigkeit bisher zu gering ist. Dies sind zum Beispiel nicht berufstätige Mütter oder Migranten, deren im Heimatland erworbene berufliche Qualifikation in Deutschland bisher nicht anerkannt wurde, aber auch Menschen, die mangels eines Berufsabschlusses, aufgrund einer Behinderung oder wegen sozialer Benachteiligung bisher nicht am Berufsleben teilgenommen haben.

Wie konkret die Alterung der Belegschaften bereits ist, zeigt eine Untersuchung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[1]. Demnach ist der Anteil der Älteren (50 bis unter 65 Jahre) an den Beschäftigten in Baden-Württemberg in den letzten zehn Jahren (1999 bis 2009) von 19,4 auf 25,3 Prozent gestiegen. Damit liegt Baden-Württemberg knapp unter dem Bundesschnitt (25,7 Prozent). Im Land gibt es aber erhebliche Unterschiede.

Regionale Unterschiede

Im Neckar-Odenwald-Kreis ist der Anteil der Älteren an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Untersuchungszeitraum um 9,5 Prozentpunkte von 18,3 Prozent auf 27,8 Prozent angestiegen. Besonders alarmierend: In keinem anderen der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg ist der Alterungsprozess der Belegschaften so schnell so weit fortgeschritten. Zum Vergleich: mit einem Anteil der Älteren von 24 Prozent zeigt sich die Landeshauptstadt Stuttgart als „junge Metropole“ und weist mit lediglich 2,8 Prozentpunkten auch die landesweit niedrigste Steigerungsrate auf. Ein wenig günstiger als im Neckar-Odenwald-Kreis ist die Situation im Stadtkreis Mannheim (Anstieg von 21 Prozent um 5,2 Prozentpunkte auf 26,2 Prozent). Gut stehen im Landesvergleich die Stadt Heidelberg (von 19,1 Prozent auf 24,4 Prozent) und der Rhein-Neckar-Kreis (von 18,2 Prozent auf 24,0 Prozent) da.

Standortqualitäten sind gefragt

Diese Zahlen zeigen: Um eine ausgewogene Altersstruktur ihrer Belegschaften zu erhalten, müssen die Betriebe im Land dringend handeln. Denn in allen baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen ist der Anteil der Älteren an allen Beschäftigten in den letzten zehn Jahren mehr oder weniger deutlich gestiegen. Wollen die Unternehmen vermeiden, dass ihnen in ein paar Jahren die qualifizierten Mitarbeiter ausgehen, müssen sie jetzt erheblich mehr in die Ausbildung junger Nachwuchskräfte und in die Bindung vorhandenen Personals investieren. Aber nicht nur die Wirtschaft ist gefragt, attraktive Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Auch die „weichen“ Standortfaktoren spielen eine immer größere Rolle. Eine gute Infrastruktur, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, kulturelles Angebot und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, kurzum ein familienfreundliches Umfeld mit hoher Wohn- und Lebensqualität, wird in Zukunft über die Verfügbarkeit von Fachkräften maßgeblich mit entscheiden. Hier stehen die Kommunen untereinander im Wettbewerb und haben die Pflicht, die von den Unternehmen abgeführten Gewerbesteuern sinnvoll zu reinvestieren, um als Standort und Wohnort attraktiv zu bleiben.

[1] Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistisches Monatsheft 10/2010

DOKUMENT-NR. 114670

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