Mit der Gründungsbilanz 2004 gibt das IHK StarterCenter Rhein-Neckar einen Überblick über das Gründungsgeschehen sowie die Gewerbeabmeldungen in der Region. Untersucht werden die ab dem Jahr 2001 bis 2004 erfolgten Anmeldungen, gegliedert nach Kleingewerbetreibenden (KGT) sowie Handelsregisterunternehmen (HR). Ebenso untersucht werden die Anmeldungen aufgeschlüsselt nach Dienstleistungen, Handel, Industrie, Transport sowie Gastronomie und Sonstige Bereiche. Im zweiten Teil der Analyse werden die Abmeldezahlen nach der gleichen Systematik analysiert.
Gründungszahlen steigen 2004 an
Nach einigen schwächeren Anmeldevorjahren zeigen die Zahlen für den Bezirk der IHK Rhein-Neckar wieder deutlich nach oben. Dies äußert sich nicht nur für den Bereich der Kleingründungen. Auch für die HR-Anmeldungen ist eine positive Gründungsdynamik erkennbar.
Bei den Dienstleistungen sind im Schnitt über den untersuchten Raum hinweg Zuwächse von über 20 Prozent im Jahr 2004 gegenüber 2003 aufgetreten. Auch der Handel profitiert vom Wachstum durch steigende Anmeldezahlen gegenüber dem Vorjahr. Waren in der Industriebranche in den letzten Jahren stets rückläufige Anmeldezahlen zu verzeichnen, so konnte 2004 erstmals wieder ein, wenn auch geringes, Wachstum registriert werden. Für den Transport sind die Zahlen hingegen anhaltend sinkend - Verbesserungen sind kaum zu erwarten. Positiv zeigt sich das Gastgewerbe: Insbesondere in Mannheim und im Rhein-Neckar-Kreis sind starke Zuwächse zu verzeichnen. Insgesamt jedoch trägt das Dienstleistungsgewerbe, gefolgt vom Handel, wesentlich zum positiven Gründungssaldo der Region bei.
Abmeldungszahlen haben sich 2004 kaum verändert
Die Abmeldungen bei den KGT liegen auf Höhe der Vorjahre - nennenswerte Änderungen sind nicht eingetreten. Anders bei den HR: Hier sind die Abmeldezahlen leicht gesunken - der Bestand an HR-Unternehmen hat sich dadurch erhöht.
In den einzelnen Branchen sind durchaus unterschiedliche Trends zu erkennen. Bei den Dienstleistungen sind die Abmeldezahlen über alle Teilbezirke annähernd gleich geblieben. Im Handel sind die Zahlen rückläufig, ebenso im Transportgewerbe - die Bestandszahl wächst. Im Gastgewerbe kann eher wieder von ansteigenden Abmeldezahlen gesprochen werden. In der Industrie sind die Zahlen der Teilbezirke sehr unterschiedlich, jedoch absolut gesehen sehr gering. Insgesamt stagnieren die Abmeldezahlen bei den Dienstleistungen, Industrie und Gastgewerbe. Handel und Transport haben eindeutige Rückgänge - eine Folge der rückläufigen Anmeldezahlen der Vorjahre.
Saldo: 3.780 Unternehmen mehr in der Region
Das Unternehmenswachstum findet eindeutig bei den KGT statt. Durchweg für Mannheim, Heidelberg, den Rhein-Neckar-Kreis und den Neckar-Odenwald-Kreis sind die Wachstumszahlen 2004 beachtlich. Ebenso konnten 2004 die HR-Unternehmen Boden gewinnen - im Gegensatz zum Vorjahr, in dem noch ein starker Rückgang der Fall war.
Das Dienstleistungsgewerbe konnte sich auch 2004 behaupten: Der Saldo war - wie in den Vorjahren - positiv. Große Unternehmenszuwächse hat es im Handel gegeben. In der Industrie sind Lichtblicke zu sehen - erstmals ist der Saldo nicht negativ wie in den zurückliegenden Jahren. Im Transport wie auch in der Gastronomie sind die Salden positiv, jedoch sehr unterschiedlich bei Betrachtung der Teilbezirke. Insgesamt jedoch tragen die Dienstleistungen überdurchschnittlich stark zum Unternehmenszuwachs bei.
Unterschiedlich ist auch der Unternehmenszuwachs nach Räumen. Mannheim, der Rhein-Neckar-Kreis und der Neckar-Odenwald-Kreis konnten 2004 gegenüber 2003 ein starkes Unternehmenswachstum verzeichnen, während Heidelberg zwar auch einen Unternehmensanstieg hat, jedoch nicht so stark wie in den anderen Teilbezirken. Insgesamt zeigt sich der Saldo des Jahres 2004 stark ansteigend. Dies resultiert jedoch nicht aus den steigenden Anmelde-, sondern eher aus den sinkenden Abmeldezahlen. Die sinkenden oder zumindest fast gleich bleibenden Abmeldungszahlen der KGT- und HR-Betriebe im Jahr 2004 tragen wesentlich dazu bei. Der Trend wird in 2005 vermutlich zu einer Stagnation führen, da die Mitnahmeeffekte der ICH-AG bei den KGT-Gründungen und -Beständen auslaufen werden. Nach Ablauf der Förderung ist von einer erhöhten Abmeldezahl auszugehen.
Bewertung: Wird das Unternehmenswachstum anhalten?
Die Gründungsdynamik der Region im Jahr 2004 ist von einem positiven und anhaltenden Wachstum geprägt. In den letzten beiden Jahren zusammen sind starke Zuwächse zu verzeichnen. Gilt deshalb für die Region, dass Hartz IV mit seinen arbeitsmarktpolitischen Reformen und die Förderung der Ich-AG zur Stimulation der Selbstständigkeit Erfolge gezeigt hat?
In den einschlägigen Publikationen und Untersuchungen werden zahlreiche Argumente für den Start in die Selbständigkeit aufgeführt: Selbstverwirklichung, Umsetzung neuer Geschäftsideen oder der unternehmerische Geist. Mehr und mehr treten jedoch neue Trends im Gründungsgeschehen auf: Die Gründungen aus der Arbeitslosigkeit steigen stark an. Nach Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gab es alleine im Jahre 2004 über eine halbe Million Menschen, die sich mit Kleingründungen eine berufliche Existenz aufgebaut haben. Mit dem Existenzgründungszuschuss haben sich im Jahr 2004 rund 172.000 Existenzgründer selbständig gemacht (2003: 97.000). Insgesamt werden derzeit fast 236.000 Ich-AGs gefördert. Im KfW Gründungsmonitor 2005 wird sogar davon gesprochen, dass gut die Hälfte der Gründer im Vollerwerb aus der Arbeitslosigkeit starten. 2004 stieg die Zahl der geförderten Gründungen aus der Arbeitslosigkeit sprunghaft an, so dass mittlerweile nahezu zwei von drei Gründungen durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert sind. Hinzu kommen noch die Gründungen, die zwar aus der Arbeitslosigkeit geschehen, jedoch nicht über die Bundesförderungen initiiert werden. Bundesweit verzeichneten die IHKs im Dezember 2004 einen Anstieg der Nachfrage nach Überbrückungsgeld-Stellungnahmen um 13 Prozent gegenüber November 2004. Allerdings ebbte die Antragswelle im Januar 2005 ebenso schnell wieder ab.
Gründungen im Kleingewerbe liegen im Trend
Gründungen im Kleingewerbe und auch im Nebenerwerb spielen mehr und mehr eine Rolle, was die Anmeldezahlen im KTG-Bereich unterlegen. Die reine Bestandsbetrachtung der Saldenzahlen lässt vordergründig darauf schließen, dass die Unternehmen in der Zukunft am Markt bleiben werden - die Abmeldezahlen steigen nicht an. Diese Interpretation ist allerdings kritisch zu hinterfragen. Es ist relativ einfach, eine Gewerbeanmeldung durchzuführen. Nach eigenen Untersuchungen der IHK Rhein-Neckar sind jedoch gerade im KGT-Bereich die Klein- und Kleinstunternehmen oftmals nach einem Jahr schon nicht mehr aktiv am Markt. Die große Dynamik im Dienstleistungsgewerbe ist ein Indiz für diese These: Hier sind keine größeren Ausgaben zur Errichtung und Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes notwendig. Die Umsatz- und Gewinnzahlen, die durch die Finanzverwaltungen zur Festlegung des Mitgliedsbeitrags übermittelt werden, sind gleich Null. Eine Gewinnerzielungsabsicht ist oftmals nicht feststellbar. Das Gewerbe "ruht", wird häufig nicht weiter verfolgt. Eine Gewerbeabmeldung erfolgt nicht, da dies zusätzlich wieder Geld kosten würde, obwohl dies nach Gesetzeslage zu erfolgen hätte. Die IHK Rhein-Neckar geht davon aus, dass der positive Unternehmenszuwachs nur ein "Scheinzuwachs" ist, der nicht aus Neugründungen resultiert, sondern aus unterlassenen Abmeldungen von inaktiven Klein(st)unternehmen.
Ergebnis und Ausblick
Auf den ersten Blick hat das arbeitspolitische Instrument von Hartz IV zur Förderung der Existenzgründung sein Ziel erreicht: Die Anzahl der Unternehmensgründungen ist stark angestiegen. Mittlerweile wirkt sich der Mitnahmeeffekt der Bezuschussung aus: Die Abmeldezahlen bleiben konstant: Ursächlich jedoch wohl eher aus dem Hintergrund der unterlassenen Abmeldung als aus tatsächlichem Unternehmenszuwachs.
Bei den Stellungnahmen zum Überbrückungsgeld und für den Ich-AG-Zuschuss, die von den IHKs angefordert werden, hat sich gezeigt, dass fast die Hälfte aller arbeitslosen Gründungsinteressenten das vorgelegte Geschäftskonzept nochmals überarbeiten müssen. Kaufmännische Mängel (die Entnahme für die private Lebenshaltung fehlte in vielen Konzepten, oft hapert die Preiskalkulation oder wird "über den Daumen gepeilt") und falsche unternehmerische Grundlagen und Einstellungen zur Selbständigkeit fördern nicht unbedingt ein starkes Unternehmertum. Eine Förderung der Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit muss daher einhergehen mit der Förderung einer neuen Kultur der Selbständigkeit.
Leistungsangebot des IHK StarterCenter Rhein-Neckar
Im Jahr 2004 hat das IHK StarterCenter Rhein-Neckar 8.800 persönliche und telefonische Einstiegsinformationen und -beratungen gegeben, davon 3.000 an Existenzgründerinnen. An 2.042 Interessenten wurden im Jahr 2004 Informationsmaterialien zur Existenzgründung ausgehändigt. An 81 Sprechtagen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der Bürgschaftsbank und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg und in Kooperation mit der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald wurden 481 Existenzgründungen finanziell beratend begleitet. In gut 650 Stellungnahmen zu Anträgen auf geförderte Existenzgründungsdarlehen, Bürgschaften und Beteiligungen sowie Anträgen auf Überbrückungsgeld hat sich die IHK Rhein-Neckar für die Gründungsförderung der Region ausgesprochen.
Seit mehreren Jahren bietet das IHK StarterCenter Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit wichtigen Kooperationspartnern kostenlose Einstiegsberatungen zu einer Vielzahl relevanter Fragebereiche im Rahmen der Existenzgründung, Existenzsicherung und zur Unternehmensnachfolge an. So sind im StarterCenter verschiedene IHK-eigene und von externen Kooperationspartnern angebotene Dienstleistungen gebündelt. Rechtliche oder steuerliche Fragen, Fragen zum Standort, zu finanziellen Förderhilfen, zu frauenspezifischen Problemlösungen und geförderten Unternehmensberatungen bilden, neben vielen weiteren Leistungen und einem umfangreichen Internetangebot (www.startercenter-rhein-neckar.de) ein weites Spektrum. Im Jahr 2005 sind neu Beratungsleistungen für freiberufliche Gründungen hinzugekommen.
Termine zu den Beratungsangeboten der Kooperationspartner können über die jeweiligen StarterCenter vereinbart werden. Alle Beratungsleistungen können an den drei StarterCenter-Standorten Mannheim, Heidelberg sowie Mosbach abgerufen werden. In seiner einmaligen Form bietet das IHK StarterCenter mit den Hilfen zur Gründung, Sicherung und Nachfolge von Unternehmen aus einer Hand und für alle Zielgruppen Antworten auf die Fragen an, die im Lebenslauf eines Unternehmens geklärt werden müssen, um am Markt langfristig erfolgreich bestehen zu können.