Erstmals hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar ein Profil der typischen Existenzgründung erstellt. In einer kompakten Übersicht werden geplante Existenzgründungen anhand wichtiger Kriterien statistisch ausgewertet.
„Nach unserer Untersuchung ist der typische Existenzgründer ein Mann mit 35 Jahren, derzeit noch angestellt, der sich mit einer Dienstleistung oder auch im Handel selbständig machen möchte“, so Dr. Wolfgang Niopek, Geschäftsführer bei der IHK Rhein-Neckar. Dabei können durchaus jährliche Schwankungen in den Gründungsabsichten auftreten: „Wir beobachten, dass der Wunsch nach Selbstständigkeit in den klassischen Unternehmensdienstleistungen 2010 eher rückläufig ist und die Gründung im Handel an Bedeutung gewinnt“, so der IHK-Geschäftsführer weiter. Das Gründungsmotiv der Arbeitslosigkeit steht schon seit dem Jahr 2006 nicht mehr im Vordergrund. Seit diesem Jahr überwiegen bei der Gründung die Selbstverwirklichungsmotive anstelle der Angst vor Einkommensverlust bei Arbeitslosigkeit. Die klassische Zielbranche für Neugründungen sind ’Dienstleistungen’. Zusammen mit dem Gründungswunsch einer ’freiberuflichen Beratung’ machen diese beiden Motive für 2010 über die Hälfte aller Gründungsabsichten aus. Gewicht bekommt der ’Handel’, der fast an die Bedeutung der Jahre 2004/2005 heran kommt. Auch das ’Handwerk’ erlebt eine Renaissance in 2010. Die Neugründung ohne Partner macht das Gros bei den typischen Existenzgründungen 2010 aus (90 Prozent). Kooperationen werden erst im späteren Unternehmensalltag angestrebt.
Die typische Gründerin ist ebenso angestellt, kommt aus der Dienstleistungsbranche und bleibt bei ihrer Gründung im selben Bereich. Etwa die Hälfte der Gründerinnen ist dabei jünger als 35 Jahre. Ein Drittel der Frauen plant, ihr Unternehmen mit einer Partnerin zu gründen.
Gründer werden jünger
Die Existenzgründung wird für jüngere Menschen in der Region immer attraktiver. Der Trend in Baden-Württemberg und im Bund, dass die Gründergenerationen immer älter werden, ist für den IHK-Bezirk nicht festzustellen. Der Anteil der Gründungen von Frauen an der Gesamtzahl der Gründungen ist für den IHK-Bezirk in den letzten Jahren stetig angestiegen und hält sich nun mit 43 Prozent auf hohem Niveau.