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STUDIE

Wirtschaftsthemen für jüngere Zuschauer oft nicht verständlich

Interesse bei Schülern vorhanden, Vorwissen fehlt
Fernsehnachrichten erreichen mit ihren Wirtschaftsthemen jüngere Leute vielfach nicht. Dies ist fast unabhängig von der Vermittlungsform und der Art der Sendung. Jungen Leuten, die sich auf das Berufsleben vorbereiten, fehlt offenbar das Vorwissen, um wichtige Wirtschaftsbeiträge zu verstehen. Je geringer der Bildungsstand, desto geringer das Verstehen der gesehenen Beiträge und die Bereitschaft, überhaupt auf Wissensfragen zu antworten. Dies ist das Ergebnis der Studie, die das IFEM-Institut für empirische Medienforschung am 2. Juli 2008 in Berlin vorgestellt hat. Die Untersuchung stützt sich auf eine Analyse der meistgenutzten Nachrichtenformate „Tagesschau”, „heute”, „RTL aktuell” und „SAT.1 News” sowie eine Befragung von 145 Schülerinnen und Schülern im Alter von 16 bis 29 Jahren. Ein Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler besuchte Abschlussklassen der Hauptschule, zwei Drittel bereiteten sich in Form von Weiterbildung auf Fachhochschulreife oder Abitur vor. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Wirtschaftsthemen zählen nach Ansicht von Schülern ebenso wie Politikthemen zu den schwierigsten und am wenigsten verständlichen. Die Schüler halten sie gleichzeitig für interessant.
  • Am schwersten haben es die Themen, von denen sich die Schüler nicht unmittelbar selbst betroffen fühlen, wie „US-Hypothekenkrise”, „Änderung im Bezug des Arbeitslosengeldes” oder „Haushalt 2008”.
  • Vermeintlich verständliche und verbreitete Begriffe wie „Schwellenländer” oder „Arbeitslosengeld I” meinten nur die Hälfte der Befragten erklären zu können. Die Begriffskenntnis war nach dem Ansehen der Beiträge nur unwesentlich höher.
  • Die Befragten wünschen sich eher längere als kürzere Berichte. Sie wünschen sich Beiträge, die Grundinformationen vermitteln und Zusammenhänge möglichst sachlich und anschaulich erklären.
  • Etablierte Formate wie die „Tagesschau” haben auch bei Schülern Renommee.
  • Dem Internet messen die befragten 16 bis 29-Jährigen insgesamt eine höhere Bedeutung als klassischen Medien bei. Hauptschüler sehen das Fernsehen als fast gleichgewichtige Informationsquelle zum Internet, Schüler mit höherem Abschluss halten Zeitungen für ebenso wichtig wie das Fernsehen.

Vermeidung von Fremdwörtern keine Lösung
Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung von Themen, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 die Medien beschäftigten. Untersucht wurden Beiträge zum G8-Weltwirtschaftsgipfel in Deutschland, zum Bahntarifkonflikt/-streik, zum Haushalt 2008, zum Thema Mindestlöhne und Arbeitslosengeld I. Die vorgeschalteten Analysen der Fernsehbeiträge ergaben, dass alle Nachrichtensendungen sich durch Visualisierung, Verkürzung der Inhalte und Vermeidung von Fremdwörtern um Verständlichkeit bemühen. Dies scheint jedoch nicht auszureichen, um jüngeren Zuschauern das Verstehen zu ermöglichen.

In der Schule bereits Interesse wecken
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nachrichtensendungen an Verständlichkeit gewinnen, wenn ihre Beiträge länger und erklärender sind”, sagte Dr. Udo Michael Krüger, Geschäftsführer des IFEM- Instituts. „Vielen jüngeren Zuschauern erschließen sich erst Zusammenhänge, wenn der Sinn von Wirtschaftsbegriffen regelmäßig benannt wird. Abkürzungen wie ,G7´, ,G8´ oder ,ALG I´ sind eher ein Hemmnis, wenn der Sinn nicht schon aus anderen Quellen bekannt ist.” „Da viele wirtschaftliche Fragen die individuelle Zukunft der Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen beeinflussen - und diese ein generelles Interesse an Wirtschaftsthemen bejahen -, sollten die Schulen mehr wirtschaftliches Wissen vermitteln”, forderte Dr. Walter Richtberg, Vorsitzender des Ernst-Schneider-Preis e.V. „Die Medien alleine schaffen es nicht.”

Die Studie wurde vom Ernst-Schneider-Preis der deutschen Industrie- und Handelskammern (IHK) e. V. in Auftrag gegeben. Der Medienpreis der IHKs setzt sich für die Behandlung wirtschaftlicher Themen in den Medien ein und schreibt seit 1971 einen renommierten Autorenwettbewerb aus.

Unter "Downloads" können Sie ein Pdf mit hilfreichen Schaubildern und Grafiken zur Studie herunterladen.

DOKUMENT-NR. 29795

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